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Bausachverständiger und Baubiologe Ullrich Bandke Bausachverständiger TÜV geprüft zertifiziert

Schimmelpilze

Allgemeines Allgemeines
Allergien Allergien
Toxische Effekte Toxische Effekte
Mykotoxine Mykotoxine
Im Innenraum häufig nachzuweisende Schimmelpilzarten mit Toxinbildung Im Innenraum häufig nachzuweisende Schimmelpilzarten mit Toxinbildung
Glucane als Toxine Glucane als Toxine
Infektiöse Wirkung Infektiöse Wirkung
Zusammenfassung Zusammenfassung
Beschreibung der Methode Beschreibung der Methode
Voraussetzung für aussagekräftige Ergebnisse Voraussetzung für aussagekräftige Ergebnisse
Vor- und Nachteile der Methode Vor- und Nachteile der Methode
Bewertung Luftkeimsammlungen Bewertung Luftkeimsammlungen
Kommentar zum Bewertungsvorschlag Kommentar zum Bewertungsvorschlag


Allgemeines 

Fachleute, die Wohnräume auf gesundheitlich relevante Belastungen untersuchen, stellen fest, dass Feuchtigkeitsschäden, bzw. Probleme mit erhöhter Feuchtigkeit, das häufigste Problem darstellen. Erhöhte Feuchtigkeit in Materialien führt oft zu einer verstärkten Emission chemischer Substanzen und im Laufe der Zeit in fast allen Fällen zu einem Wachstum von Mikroorganismen, d.h. von Schimmelpilzen und/oder Bakterien.

In Innenräumen sind die Temperatur immer und das Nährstoffangebot fast immer für mikrobielles Wachstum ausreichend. Wenn zusätzlich ausreichend hohe Feuchtigkeit vorhanden ist und das feuchte Material keine fungiziden Wirkstoffe enthält oder keinen extremen pH-Wert aufweist (wobei vor allem alkalische Materialien die mikrobielle Besiedelung stark hemmen), kommt es zum Wachstum von Schimmelpilzen und Bakterien.

Es ist für ein mikrobielles Wachstum nicht erforderlich, dass das Material nass ist, d.h. dass es Feuchtigkeit im Bereich der Sättigung (= 100%) aufweist. Mikroorganismen können, in Abhängigkeit von Material und Temperatur, bei Feuchtigkeitswerten zwischen 70% und 80 % wachsen. Bis zu 70 % Ausgleichsfeuchte ist kein mikrobieller Befall zu befürchten, weshalb dieser Wert als Fkrit bezeichnet werden kann.

Erhöhte Feuchtigkeitswerte werden oft in nicht visuell erfassbaren Gebäudeteilen erreicht, da diese meist kühler und schlechter belüftet sind, wie z.B. an Außenwänden hinter Einbauten, im Bereich zwischen Außenwand und raumseitiger Wärmedämmung oder in den Dämmschichten in Fußböden.

Es muss bei der Untersuchung von Innenräumen beachtet werden, dass relative Luftfeuchtigkeit mit Werten von weniger als 100 % in der Regel nicht optisch erkennbar ist. Es treten erkennbare Feuchtigkeitsflecken erst dann auf, wenn freies Wasser vorhanden ist oder gewesen ist, d.h. wenn es zur Kondensation gekommen ist.

Auch Wasserschäden können oft durch eine Besichtigung oder Inspektion der Wohnräume alleine nicht erkannt werden, wenn z.B. durch Undichtigkeiten zwischen Duschtasse und Wandfliesen, Haarrisse in Wasserleitungen oder andere Vorgänge, bei denen verhältnismäßig wenig Wasser, dies jedoch kontinuierlich, in optisch nicht zugängliche Stellen gelangt. Derartige Schäden können meist nur mit fachmännisch durchgeführten Feuchtigkeitsmessungen festgestellt werden. Deshalb sollten immer dann, wenn es aufgrund der Inspektion, der Vorgespräche oder anderer Anhaltspunkte (muffiger Geruch etc.) einen Verdacht gibt, neuralgische Bereiche gemessen werden.

Besondere Probleme treten auf, wenn ein Schimmelpilzbefall nicht sichtbar und keine Feuchtigkeit messbar ist, die Raumnutzer allerdings unter Schimmelpilzallergien oder anderen medizinisch diagnostizierten Symptomen leiden.

Aus den angeführten Gründen ist es in der Regel erforderlich, Messungen und Analysen durchzuführen, um versteckte Feuchtigkeitsschäden und einen versteckten mikrobiellen Befall aufzuspüren. Versteckter Schimmelpilz im Innenraum lässt sich häufig nur durch die Kombination unterschiedlicher Nachweismethoden aufdecken. Selbstverständlich gibt es auch Fragestellungen, die bei einem bereits lokalisierten mikrobiellen Befall gezielte Messungen erforderlich machen.

Neben der Klärung, ob in den Wohnräumen in Wänden, Fußböden oder Decken Mikroorganismen wachsen, muss fast immer auch die Ursache des Wachstums geklärt werden, da sonst keine Sanierung möglich ist, die zu einer dauerhaften Beseitigung des Problems führt.

Bisher noch nicht zufriedenstellend geklärt ist, welche mikrobiellen Emissionen zu gesundheitlichen Beschwerden führen. Die in diesem Zusammenhang wahrscheinlich wichtigste Stoffgruppe, die Mykotoxine, können im praktischen Einsatz routinemäßig nicht gemessen werden. Mykotoxine werden bei den Empfehlungen zur Bewertung von Messungen außer acht gelassen, allerdings wird berücksichtigt, ob die Schimmelpilzarten potentielle Mykotoxinbildner sind.

Als Basis der Bewertung von Luftmessungen und Materialanalysen, wurde festgelegt, dass immer dann, wenn Mikroorganismen in Innenräumen wachsen oder gewachsen sind, eine gesundheitliche Gefährdung vorliegt. Auch wenn zum Zeitpunkt der Untersuchung keine große Biomasse vorhanden ist und die nachgewiesenen Spezies nicht zu den bekannt kritischen Mikroorganismen gehören, ist davon auszugehen, dass sich der Schaden ausweiten kann und jederzeit die Möglichkeit besteht, dass sich andere, evtl. bekanntermaßen aus gesundheitlicher Sicht kritische Arten, zusätzlich ansiedeln und wachsen.

Demnach reicht es aus, deutliche Hinweise auf ein mikrobielles Wachstum zu erhalten. Aufgrund der Größe und der Art des Schadens können allerdings in Bezug auf Umfang und Dringlichkeit unterschiedliche Handlungsempfehlungen ausgesprochen werden. Die Formulierung von Bewertungsempfehlungen halten wir insbesondere deshalb für dringlich, da es sogar bei weitgehend etablierten Methoden, wie der Luftkeimmessung, nach unserer Einschätzung keine in der Praxis gut anwendbaren Bewertungsempfehlungen gibt. Bei modernen Methoden, wie der MVOC-Raumluftmessung, gibt es in den Veröffentlichungen wenig Hinweise zur Bewertung und keine klar herausgearbeitete Empfehlung.

Die Ausführungen beruhen auf jahrelanger Erfahrung und zahlreichen Messungen, die durch die Fachleute, die an diesem Skript mitgewirkt haben, zusammengetragen wurden. Es wird betont, dass es sich bei der Untersuchung von Innenräumen auf Mikroorganismen um ein Fachgebiet handelt, welches in ständiger Entwicklung ist und deshalb davon auszugehen ist, dass die Empfehlungen in dieser Arbeit weiterentwickelt werden und werden müssen.

Die möglichen gesundheitlichen Auswirkungen einer Schimmelpilz Exposition werden in drei Wirkprinzipien unterteilt:
  • Allergien
  • Toxische Effekte
  • Infektionen
Es gibt keine gesicherten Daten, ob die von Mikroorganismen gebildeten flüchtigen organischen Substanzen (MVOC's) eine Gesundheitsgefahr darstellen, aber nach dem derzeitigen Kenntnisstand ist eine Gesundheitsgefahr auch nicht auszuschließen. Sie führen in jedem Fall zu Geruchsbelästigungen und beeinträchtigen die Lebensqualität. nach oben

Allergien 

Bis zu 60 % der genetisch disponierten Menschen (Atopiker) entwickeln eine Allergie gegen Schimmelpilze. Schimmelpilze bzw. deren Sporen sind hochpotente Allergene bzw. Allergenmischungen. Pilzsporen enthalten bis zu 30 unterschiedliche Allergene. Nach Sensibilisierungen können typische allergische Störungen (z.B. allergische Rhinitis, allergisches Asthma bronchiale, Neurodermitis) auch diffuse Befindlichkeitsstörungen (z.B."Chronisches Müdigkeitssyndrom") auftreten. nach oben

Toxische Effekte 

Pilze können Agenzien produzieren, die toxisch bzw. auch irritierend wirken. Die Agenzien werden in zwei Gruppen aufgeteilt:

1.) Sekundäre Stoffwechselprodukte wie Mycotoxine, Antibiotika und VOC's
2.) Strukturkomponenten wie b-(1-3) D-Glucan aus der Zellwand nach oben

Mykotoxine 

Inhalation von mycotoxinhaltigen Pilzbestandteilen kann auch bei gesunden Menschen zu unspezifischen Beschwerden führen. So zeigen Trichothecene (von Stachybotrys und Fusarium) eine hohe Toxizität gegenüber Zellen des Immunsystems (alveolären Makropagen) und schwächen das Immunsystem.

Biologische Effekte von Mykotoxinen im Laborversuch:
  • Akut und chronisch toxisch
  • Cytotoxisch
  • Neurotoxisch
  • Immunsupressiv & Teratogen
  • Mutagen
  • Cancerogen
  • Anti-Tumor-Effekte
Wenig bekannt ist über die Auswirkungen bei realen Innenraumbedingungen, z.B. wenn mehrere Schimmelpilzarten auftreten. Untersuchungen über synergistische Effekte fehlen noch. Weiterhin ist wenig über die inhalative Aufnahme von Mykotoxinen untersucht. So können an Sporen und Partikel assoziierte Mykotoxine in die Atemwege gelangen und dort verstärkt wirken. Aus dem chemischen Bereich ist bekannt, dass die inhalative Aufnahme von Giften weitaus wirksamer ist als die orale Aufnahme.

Trichothecenen sind inhalativ (zumindest im Tierversuch) bis zu 20 x toxischer.

Durch Inhalation von organischen, mit Toxinen belastetem Staub können grippeähnliche Symptome beim Menschen hervorgerufen werden (ODTS: Organic Dust Toxic Syndrome). Der belastete Staub ist ein Konglomerat aus Endotoxinen, Glucanen, Antigenen und Mycotoxinen. Bereits niedrige Konzentrationen dieser Mischung reichen vermutlich aus, um Entzündungsprozesse einzuleiten. nach oben


 
Im Innenraum häufig nachzuweisende Schimmelpilzarten mit Toxinbildung
Schimmelpilz
Mycotoxin
Gesundheitlicher Effekt
Acremonium sp. Cephalosporin Antibiotikum
Aspergillus flavus Aflatoxin Mutagen, cancerogen, hepatotoxisch
Aspergillus fumigatus Verruculogen, Fumagillin, Gliotoxin Krampferzeugend, cytostatisch und cytotoxisch
Aspergillus nidulans Sterigmatocystin cancerogen (Leber)
Aspergillus versicolor Sterigmatocystin cancerogen (Leber)
A. ochraceus-Gruppe Ochratoxin cytotoxisch, nephrotoxisch, hepatotoxisch
Chaetomium Chaetomin nephrotoxisch
Cladosporium Epicladosporinsäure Immunsuppressiv
Fusarium Trichothecene  
Zearalenon neurotoxisch, cancerogen, nephrotoxisch, hepatotoxisch  
Penicillium viridicatum, verrucosum Ochratoxin cytotoxisch, nephrotoxisch, hepatotoxisch
P. crustosum Roquefortin C Krampferzeugend, neurotoxisch
P. expansum Patulin, Roquefortin C, Citrinin Cancerogen, neurotoxisch, nephrotoxisch, inhibiert die Proteinbiosynthese
P. griseofulvum Griseofulvin Tumorfördernd, teratogen, hepatotoxisch
Stachybotrys chartarum Satratoxin Toxisch, bei chronischer Belastung: Entzündungsfördernd, Pharyngitis, Nasenbluten, Fieber, Leukopaenie, Kopfschmerzen, Müdigkeit


Auflistung einiger bekannter im Innenraum relevanter Mykotoxine und ihre gesundheitlichen Auswirkungen aus: Bioaerosols: Assessment and Control, 1999

Gesundheitliche Effekte durch Mykotoxine werden durch eine weite Bandbreite an Konzentrationen erreicht. So sind z.B. die Trichothecene von Fusarium und Stachybotrys wesentlich potenter als die Epicladosporinsäure aus Cladosporium. nach oben

Glucane als Toxine 

beta- (1-3)-D Glucane sind Bestandteile der Pilz-Zellwand. Glucane wirken auf die Makrophagen und neutrophilen Zellen des Immunsystems. Glucane sind ein Teil der Mischung, die an ODTS beteiligt sind. nach oben

Infektiöse Wirkung 

Die meisten Schimmelpilzarten verursachen keine Infektionen. Bei immun-geschwächten Menschen können Infektionen durch Aspergillus fumigatus, Aspergillus flavus und Aspergillus niger verursacht werden. Bei abwehrschwachen Menschen können Mucor und Rhizopus Mykosen verursachen. Ab einer Konzentration von 106 Sporen /m³ können auch Infektionen bei gesunden Menschen hervorgerufen werden. nach oben

Zusammenfassung 

Zusammenfassend lässt sich folgern, dass im Rahmen einer gesundheitlichen Risikominimierung Schimmelpilze im Innenraum nicht aus Quellen im oder am Haus nachzuweisen sein sollten. nach oben

Beschreibung der Methode 

Bei der Methode der Luftkeimsammlung werden luftgetragene Verbreitungseinheiten von Pilzen, das heißt im Normalfall Pilzsporen, auf Nährböden aufgebracht und angezüchtet. Für die Luftkeimsammlung eignen sich unterschiedliche Sammler. Sehr verbreitet sind sog. Impaktionssammler oder Filtrationssammler. Unter den Impaktionssammlern haben sich z.B. Runddüsensammler nach dem Andersen-Prinzip bewährt (Andersen, Holbach, Merck u.a.). Bei der einstufigen Variante des Runddüsensamler-Sammlers wird die Luft mittels einer Vakuumpumpe durch Runddüsen (je nach Sammlertyp ca. 300-400 Düsen) auf ein Nährmedium gesaugt. Die Düsen bewirken eine sehr starke Beschleunigung der Luft bzw. der in der Luft enthaltenen Partikel, so dass diese auf dem Nährmedium aufschlagen (impaktieren). Der sog. Abscheidegrad (Cut off) beschreibt die kleinste Partikelgröße von der noch 50% auf dem Nährmedium auftreffen. Der Abscheidegrad ist unter anderem vom Volumen-strom abhängig. Es ist deshalb sehr wichtig, den von den Geräteherstellern angegebenen Volumenstrom einzuhalten.

Zum Nachweis sehr hoher Pilzkonzentrationen, wie sie z.B. an bestimmten Arbeitsplätzen (Wertstoffsortierung, Kompostierung etc.) auftreten können, sind Impaktionssammler nicht geeignet. Hier können u.a. Filtrationssammler (z.B. Sartorius), bei denen die Luft über Filter (Gelatine u.a.) gesaugt wird, eingesetzt werden. Diese sind auch nach der TRBA 430 (Verfahren zur Bestimmung der Schimmelpilzkonzentration in der Luft am Arbeitsplatz) vorgeschrieben. Die Pilzelemente werden nach der Sammlung vom Filter in eine Verdünnungslösung gespült und über eine nachfolgende Verdünnungsreihe wird der Pilzgehalt so eingestellt, daß die Nährmedien nicht überladen werden. Bei Sammlungen in weniger stark belasteten Bereichen können die beladenen Filter direkt auf den Nähragar gebracht werden oder große Volumina gesammelt und verdünnt werden. Letzteres birgt die Gefahr einer zu starken Austrocknung von Sporen.

Bei den Impaktionssammlern sollte theoretisch nur so viel Luft gesammelt werden, daß die Kolonien auf den Nährmedien gut auszählbar sind (möglichst unter 100 KBE pro Nähragarschale eines Durchmessers von ca. 9 cm) bzw. sich die Pilze noch nicht zu stark gegenseitig im Wachstum behindern. In der Praxis ist das oft nicht vorhersehbar, so daß ein Kompromiß gefunden werden muß. Als gut handhabbar hat sich ein Volumen von 100 l erwiesen. Wenn eine Selektion z.B. über die Temperatur erfolgt, können auch 200 l gesammelt werden.

Die Ergebnisse einer Luftkeimsammlung werden als sog. koloniebildende Einheiten (KBE) pro Kubikmeter Luft angegeben. Mit dem Begriff "KBE" wird beschrieben, dass eine Kolonie aus einer einzelnen Spore oder auch aus einem Cluster vieler Sporen entstanden sein kann.

Ein sehr wichtiger Faktor für die Kultivierbarkeit eines Pilzes ist neben der Tatsache, dass die Spore oder das Myzelstück lebensfähig sein muß, die Zusammensetzung des angebotenen Nährmediums. Die unterschiedlichen Ansprüche einzelner Pilzarten können nur durch die Verwendung verschiedener Nährmedien erfüllt werden. Gerade unter Innenraumbedingungen treten häufig Pilze auf, die bevorzugt oder ausschließlich Substrate mit einer niedrigen Wasseraktivität verwerten, sog. xerophile Pilze. Mit einem Standard-Pilznährmedium wie z.B. Malzextraktagar oder dem weit verbreiteten Sabouraudagar sind solche Pilze nicht nachweisbar. Der ursprünglich für die Untersuchung von Lebensmitteln mit niedriger Wasseraktivität entwickelte DG18 Agar (Dichloran-Glycerin 18%-Agar mit Chloramphenicol) hat sich inzwischen auch in der Innenraumuntersuchung durchgesetzt. Leider gibt es inzwischen auch Vorschläge, nur noch DG18-Agar zu verwenden. Die ausschließliche Verwendung von DG 18-Agar hat den Nachteil, daß Pilze wie z.B. Trichoderma spp., Stachybotrys spp., Chaetomium spp. diverse Acremonium-Arten nicht oder nur unzureichend erfasst werden.

Nach unserer Auffassung sollten als Standardmedien für Luftkeimsamlungen DG18-Agar und Malzextraktagar (ohne Zuckerzusatz!) zum Nachweis von Schimmelpilzen und CASO- bzw. TS-Agar (möglichst mit Cycloheximid) zum Nachweis von Bakterien eingesetzt werden.

Für spezifische Fragestellungen können weitere Nährmedien bzw. auch selektive Nährmedien, auf denen bestimmte Pilze bevorzugt wachsen, eingesetzt werden. Ein Selektionskriterium kann z.B. auch die Temperatur sein. So kann das Wachstum von Pilzen mit einem höheren Temperaturoptimum, das z.B. opportunistische Mykoseerreger wie Aspergillus fumigatus oder Aspergillus flavus kennzeichnet, selektiv über eine Bebrütungstemperatur von 37°C oder höher gegenüber der übrigen Pilzflora gefördert werden. nach oben

Voraussetzung für aussagekräftige Ergebnisse: 
  • Meßeinrichtung mit Cut-Off von < 1µm
  • Fenster mindestens 4 Stunden vor der Messung schließen
  • Außenluftprobenahme auf der Windseite, aber nicht bei extremen Windverhältnissen oder bei Regen. Soweit eine Verschiebung des Meßtermins nicht möglich ist, eine überdachte, windgeschützte Stelle auf der Windseite des Gebäudes wählen und bei der Auswertung der Ergebnisse mögliche Störeinflüsse bedenken.
  • Messung in einer Höhe von mehr als 1 m
  • Probenahmebedingungen (ruhig, aggressiv etc.) berücksichtigen und protokollieren
  • Nährböden und Inkubationszeiten müssen auf in Gebäuden wachsenden Mikroorganismen angepasst sein. Als Nährmedien werden empfohlen: DG18 und Malzagar und für Bakterien TS-Agar. Die Inkubationszeit sollte 7 bis 10 Tage (in Einzelfällen auch länger) betragen. Es ist zu empfehlen, im Abstand von 3 bis 4 Tagen die Entwicklung zu verfolgen, um Doppelbelegungen erkennen zu können. Die Inkubationstemperatur sollte bei 23 bis 25°C liegen. Eine parallele Anzüchtung bei 37°C kann je nach Problemstellung sinnvoll sein.
  • Einhaltung und Kontrolle des in der Gerätespezifikation beschriebenen Volumenstroms.
  • Es ist bei der Bewertung zu beachten, daß nicht alle vorhandenen Keime anzüchtbar sind. Teilweise werden weniger als 10 % der insgesamt vorhandenen Keime auf Nährböden nachgewiesen. Die Ermittlung der Gesamtsporenkonzentration kann diesem Problem Rechnung tragen.
  • gegebenenfalls Parallelmessungen nach oben
Vor- und Nachteile der Methode 

Bei der Luftkeimsammlung wächst jede vermehrungsfähige Einheit zu einer sichtbaren Kolonie aus und kann makroskopisch gezählt werden. Es ist deshalb möglich, abhängig von der gesammelten Probemenge, eine sehr hohe Empfindlichkeit der Methode bzw. eine niedrige Nachweisgrenze zu erreichen.

Im Unterschied zu vielen anderen Methoden, können die Werte von Luftkeimsammlungen mit einer ganzen Reihe von Bewertungsvorschlägen verglichen werden, auch wenn es keine verbindlichen Grenzwerte gibt. Dies kann bei einem Rechtsstreit sehr hilfreich sein.

Es ist über die Kultivierung möglich, Schimmelpilze bis zur Art zu identifizieren. Bei anderen Nachweismethoden wie z.B. Mikroskopie ist eine Artdiagnose nur in Ausnahmefällen möglich. Sollen weiterführende Untersuchungen, wie z.B. die Prüfung, ob es sich um einen mykotoxinbildenden Stamm handelt, durchgeführt werden, kann auf eine Kultivierung ebenfalls nicht verzichtet werden. Im Gegensatz zur mikroskopischen Auswertung machen sich Störfaktoren wie z.B. ein hoher Partikelgehalt oder viele Hautschuppen bei der Luftkeimsammlung nicht bemerkbar.

Als wesentliche Einschränkung der Luftkeimsammlung sind zu nennen:
  • Bei der Luftkeimsammlung wird nur der Anteil der anzüchtbaren (kultivierbaren) Pilze erfaßt. Die Anzüchtbarkeit wird insbesondere beeinflußt durch: Abgestorbene Sporen, zu dichte Belegung des Nährmediums bzw. gegenseitige Unterdrückung der Pilze, ungeeignetes Nährmedium.
  • Die Auswertung kann nicht sofort sondern erst nach der Bebrütung und gegebenenfalls erst nach Subkultivierung zur Identifizierung der Pilze erfolgen. nach oben
Bewertung Luftkeimsammlungen 

Empfehlung zur Bewertung der Ergebnisse von Luftkeimsammlungen In Anlehnung an die Bewertung von Miller, 1988:

Vorbemerkung:
Grundsätzlich ist die Außenluft als Vergleich heranzuziehen, wobei die Artenzusammensetzung besonders zu beachten ist.
  1. Fakultativ pathogene und mykotoxinbildende Arten sowie Arten, die Indikatorfunktion für Feuchteschäden haben, dürfen nicht aus Innenraumquellen stammen. Arten, die in diese Kategorien gehören, sind insbesondere Aspergillus fumigatus, Aspergillus flavus, Aspergillus versicolor , Acremonium spp., Chaetomium spp., Stachybotrys chartarum (S. atra), Fusarium spp., Trichoderma spp. und Streptomyceten (Bakterien). Beim Nachweis dieser Arten ist die Quelle zu lokalisieren.
  2. Bei ca. 50 KBE/m³ Luft einer Art sollten Innenraumquellen in Betracht gezogen werden.
  3. Pilze, die in der Außenluft in sehr hohen Konzentrationen auftreten können, wie insbesondere Cladosporium, können auch in der Innenluft hohe Werte erreichen. Sie sind in Relation zur Außenluft zu bewerten. Wenn ihre Konzentration deutlich unterhalb der Außenluft liegt (Orientierungswert: 75%); und sonst keine auffälligen Arten auftreten, ist eine relevante Quelle unwahrscheinlich. Dieses Kriterium gilt nicht bei extrem niedrigen Außenluftwerten im Winter. nach oben
Kommentar zum Bewertungsvorschlag 
  • Wir betonen, daß fakultativ pathogene Keime nicht aus Innenraumquellen stammen dürfen, d.h. diese Keime sollten weder im Innenraum wachsen, noch sollten hohe Konzentrationen dieser Keime z.B. im Staub angesammelt sein. Dass auch in der Innenraumluft derartige Keime auftreten können, wenn sie in der Außenluft vorkommen, muss toleriert werden, solange die Bedingungen zum Zeitpunkt der Messung einen Einfluss der Außenluft nicht ausschließen (z.B. Klimaanlage).
  • Wenn in der Außenluft auffällig hohe Konzentrationen der Mikroorganismen nach Punkt 1 des Bewertungsvorschlages vorkommen, sollte ebenfalls nach der Quelle gesucht werden, um eine mögliche gesundheitliche Gefährdung auszuschließen. Quellen könnten z.B. Kompostierungsanlagen, landwirtschaftliche Betriebe, Biotonnen etc. sein.
  • Zu berücksichtigen ist besonders die qualitative Zusammensetzung, weil darin die wesentlichen Unterschiede zwischen einer belasteten und einer natürlichen Luftprobe liegen.
  • Dem Auftreten von sog. Indikatororganismen schenken wir besondere Beachtung, weil ihr Vorkommen oft auf einen Schaden hinweist. Andererseits können einzelne Keime dieser Arten auch in unbelasteten Luftproben vorkommen. Ihr Auftreten in geringen Konzentrationen indiziert keine besondere gesundheitliche Belastung.
  • Bei der Quantifizierung ist zu beachten, dass es sich um eine Momentaufnahme mit erheblichen Schwankungsbreiten handelt. Die Rahmenbedingungen sind für die Interpretation zu beachten! Die Angabe 50 KBE ist nicht als feste Beurteilungsgrenze aufzufassen, sondern stellt den Orientierungswert für den messtechnischen Nachweis dar.
  • Die Voraussetzungen für aussagekräftige Ergebnisse sollten sehr genau beachtet werden.


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